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27.10.2020, 19:24 Uhr | Übersicht | Druckansicht
Musikalischer Sonnenaufgang
Jazz: Bibavon spielt zweimal im Aschaffenburger Martinushaus


Das erste Mal nach der Corona-Pause trat Bibavon, die Jazz Big Band des Blasmusikverbandes Vorspessart am späten Sonntagnachmittag und noch einmal am Abend im Martinushaus auf. Und das war noch nicht alles. Denn als Vorgruppe durften die jeweils 70 Besucher im ausverkauften Saal die Premiere der neu gegründeten Jugend-Big Band erleben - beide Auftritte wurden vom Publikum mit Riesenapplaus belohnt und stellten für einige Besucher in Corona-Zeiten durchaus einen musikalischen Sonnenaufgang dar.



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Bild: Doris Huhn

»Am sicherersten Platz in Aschaffenburg«, so nannte den Aufführungsort beziehungsreich Stefan Schneider, der gemeinsam mit Christoph Heeg die Jugend-Big Band auf den ersten Auftritt vorbereitet hatte, und in Anwesenheit von Oberbürgermeister Jürgen Herzing, freuten sich alle Beteiligten auf einen musikalischen Event. »Das Kultur-Publikum hält sich an die Regeln!«, betonte Schneider, der die jungen Leute beim ersten öffentlichen Auftritt dirigierte. Natürlich von einem ausgeklügelten Hygienekonzept begleitet, durften 17 Nachwuchsmusiker zwischen 14 und 20 Jahren, von einigen alten Hasen unterstützt, das 100-minütige Programm eröffnen. Und das taten sie nach nur fünf vollständigen Proben wegen Corona erstaunlich gut. Bei den beiden Stücken ging so richtig die musikalische Post ab und einige Jung-Musiker trauten sich sogar Soli abzuliefern, um eindrucksvoll zu beweisen, was Mitglieder einer Big Band drauf haben müssen.

Nach dem Auftakt durch den hochmotivierten Nachwuchs hieß es Nachlegen von der 2006 gegründeten und seitdem von Christoph Heeg geleiteten Big Band, die aus 18 top-motivierten Musikern inklusive der aus der »Kinder-Pause« zurückgekehrten Quotenfrau Karin Merget am Alt-Saxofon besteht (Frauen, da geht deutlich mehr!).

Die Seele baumeln lassen

Das Programm unter dem Titel »Jazz - Made in Germany« präsentierte tatsächlich ausschließlich Werke oder Arrangements von deutschen Komponisten. Los ging es absolut eindrucksvoll mit »Ivan's Song« des jungen Münchners Christian Elsässer. Der traumhafte Big-Band Sound elektrisierte das coronabedingt »entwöhnte« Publikum. Auf den Punkt gespielte Soli und Einsätze sowie fast schmerzhaft fetzige Power-Intermezzi ließen Fachleute spaßeshalber überlegen, wie der strapazierte Ansatz des einen oder anderen Solisten das zweite Konzert überleben wird.

Doch Profis wie Flügelhorn- und Trompeten-Solist Ingo Krenz oder andere nahmen diese Herausforderung gerne an. Krenz begeisterte in drei fetten Soli-Nummern wie vor allem dem Klassiker »Ballad for a friend« der Big-Band Legende Peter Herbolzheimer mit emotionalem Tiefgang, aber auch in »New Plans« von Rainer Tempel, mit dessen Stück Bibavon im November 2019 den ersten Platz beim bayerischen Orchester-Wettbewerb in Marktoberdorf geholt hat. Dass die Big Band auch leise Töne anschlagen kann, bewies zum Beispiel die Filmmusik aus »Blauer Engel« mit Marlene Dietrich aus den 30er- und 40er- Jahren - natürlich im modernen Big-Band-Gewand.

Äußerst beeindruckend erlebte das Publikum auch die Komposition »24-7-10« von Stefan Schneider. Unter der Datumsangabe verarbeitete der Bibavon-Musiker die Love-Parade-Katastrophe und den damit verbundenen Tod von zahlreichen jungen Leuten, die einfach nur einen Tag feiern wollten. Aufwühlende Sequenzen endeten in einem chaotisch-wütenden musikalischen Aufschrei am bitteren Ende. Mit der Zugabe von Kurt Weills »Mackie Messer« durfte das Publikum noch einmal die Seele baumeln lassen - hoffentlich nicht das letzte Mal in diesem Jahr.

Bibavon tritt am Dienstag, 22. Dezember, um 20 Uhr im Aschaffenburger Colos-Saal mit einem Weihnachtsprogramm auf.

DORIS HUHN 

© Blasmusikverband Vorspessart e. V.